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Bewertung: 9 / 10


"Die Grenze zwischen Mexiko und dem US-amerikanischen Bundesstaat Arizona ist schon seit Jahren vom Drogenkrieg geprägt. Die junge FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) schließt sich einer internationalen Einsatztruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem lokalen Drogenhandel endlich Einhalt zu gebieten. Doch schon ihr erster Einsatz in dem gefährlichen Grenzgebiet läuft völlig aus dem Ruder, als die Überführung eines Gefangenen in einem brutalen Hinterhalt endet. Mit der Hilfe des ebenso geheimnisvollen wie erbarmungslosen Söldners Alejandro (Benicio Del Toro) kommt Kate aber mit dem Leben davon. Bei der nächsten Operation trifft sie wenig später erneut auf Alejandro und seine Spezialeinheit, die jedoch, wie ihr bald klar wird, ganz eigene Ziele zu verfolgen scheinen. So dauert es nicht lang, bis die Grenzen zwischen Freund und Feind verwischen und Kate sich mehr und mehr fragt, wem sie eigentlich noch vertrauen kann."




Wie fühlt sich der Film an?
Sicario ist ein sehr beeindruckender Film. Er bietet Unterhaltung nicht im klassischen Sinne. Es ist kein Freitag/Samstag - Abend Film, wenn man danach noch weggehen will. Auf diesen Film sollte man sich einlassen, analog zu Filmen wie Private Ryan, Goodfellas, No Country for Old Men (der dem Film stilistisch sehr ähnlich ist).

Der Film löst dieses Gefühl der Spannung, des Gebanntseins, des Luftanhaltens aus- er zieht den Zuschauer in seinen Bann. Man hält sich an der Armlehne fest und wird vollständig in die Szenerie gezogen. 
Das Thema ist ernst (Drogen/Kartelle/Drogenkrieg), wird aber innerhalb eines sehr kleinen Rahmens gezeigt - was für die Spannungskurve extrem dienlich ist. 
Eine oscarwürdige, ganz eigene fantastische Kameraarbeit und ein drückender Score und gute Schauspielerleistungen komplettieren das Gesamterlebnis.

Wie schafft das der Film?
Lässt man sich auf den Film ein, begleitet man Emily Blunt's Charakter Kate, wie sie im Grenzgebiet zu Mexiko mit ihrer Einheit den Kampf gegen die Windmühlen bestreitet - sie stürmt Verstecke der Kartelle und findet dabei selten Drogen, aber fast immer die Kosten dieses Geschäfts: verweste, übel zugerichtete und in Zwischenwänden versteckte Leichen, Blut, Grausamkeit.
Es wird schnell deutlich, dass ihre Arbeit nahezu sinnlos ist; zu groß ist dieses Milieu, und die echten Bosse sitzen in Mexiko. 

Ihre Reputation führt dazu, dass das eine über die grenzen hinweg operierende Spezialeinheit des FBI, unter der Leitung von Matt Graver (Josh Brolin), sie rekrutiert, um "einen echten Schlag gegen die Kartelle" zu landen. 
Brolin spielt hier den durch seine Einsätze abgestumpften, harten Boss (fast ein Art "Max Payne"), dessen Handlungen für Kate eigentlich nie nachvollziehbar ist. Dazu kommt ein in Bestform spielender Benicio del Toro (Alejandro), dessen Motive nicht minder nebulös ist.
Kate dient hier als Katalysator für den Zuschauer, denn mehr als sie wissen wir auch nicht.

Es ist also alles vorbereitet, und ab hier beginnen die technischen Aspekte so richtig, die Immersion perfekt zu machen. 
Als erstes die Kameraarbeit: Roger Deakins (Skyfall, No Country for old Men) beschert der Filmwelt hier derartig großartige Szenerien, die sich nicht oder nur knapp hinter dem "Revenant" verstecken müssen. 
Eine enorme Ruhe in den Bildern, immer wieder abgewechselt durch beeindruckende Luftaufnahmen und nach unten gehenden Kamerafahrten - allein das hätte gereicht.

In den 3 Schlüsselstellen des Films, welche zu den spannendsten Szenen des Kinojahr 2015 zählen, läuft er zur Höchstform auf. Etwa bei einer Grenzüberquerung der Spezialeinheit, bei der in jedem anderen Auto eine Gefahr lauern kann: 
die Kamera zeigt uns das Blickfeld der Protagonisten, ohne hektisch zu werden, beklemmend, detailliert und detailreich. Oder sei es eine Stürmung eines Schmugglertunnels bei Nacht, bei der der Wechsel zwischen Nachtsicht oder auch wieder Gesamtsszenerie so butterweich gelingt, dass man nicht umhin kommt, sich staunend hineinziehen zu lassen.



Als wäre dies nicht genug, begleitet uns der Soundtrack von Johann Johannsson mit einem ansteigenden Wummern, mit starken, bedrückenden Melodien; aber dennoch mit einer inhärenten Ruhe - am ehesten sogar vergleichbar mit dem Score von "Alien"; um dann mechanischer zu werden, und wie bei Terminator 2 ein wiederholendes Thema von unaufhaltbarer Gefahr einzubringen (T-1000 Theme). 

Cineasten-Sinne werden also vollständig angesprochen und das nutzt der Film, die Geschichte weiter zu bringen. Bis zum Ende ist speziell Alejandro ein großes Fragezeichen, die Motive der handelnden Personen sind nicht so linear wie man es vermuten würde. 

Das Ende regt zum Nachdenken an und lässt den Film noch einmal durchspielen - wer steht hier für was; man hinterfragt die gesamte Situation und Handlungen. 
Da dies sehr nah in der Realität angesiedelt ist, kommt man nicht umhin, an die Methoden und Sinnhaftigkeit des Drogenkriegs zu denken und seine Schlüsse zu ziehen.
Insbesondere die letzte Szene und das Beginnen des Abspanns führt dazu, dass dieser Film im Gedächtnis bleibt. 

Hervorragend geschauspielert und technisch meisterhaft - eine klare Empfehlung, wenn man sich darauf einlässt.

Was sagt ihr zu dem Film?

Bewertung: 6/10





Wir sind in im Kinojahr 2015 gut versorgt mit Agentenfilmen. 

Den Anfang machte der fulminante „Kingsman“; der mit seinem Ansatz frischen Wind ins Genre brachte. Er nahm sich dabei nicht zu ernst – lieferte aber alles, was die Welt der Spione in meinen Augen ausmacht: Gadgets, Verschwörung, hervorragend choreografierte Kampfsequenzen, ein durchgehend hohes Tempo.
Es folgte der neueste Mission Impossible (Rogue Nation); welcher uns in hoher Qualität mit den für die Serie bekannten Elementen versorgte: High-Tech-Ausstattung und Einbruchsequenz, Locations rund um die Welt, Verfolgungsjagden, Held und Bösewicht mit einer echten Ausstrahlung einer Intelligenz und der Fähigkeit, ein paar Schritte voraus zu planen - alles edel und in bestem Tempo verpackt.
Und dann kommt Spectre. 
Im Kielwasser von Skyfall, grandiosem Marketing (eine größere Bedrohung als je zuvor kommt auf Bond und den MI6 zu), sowie gutes Casting (Christoph Waltz) und Hollywood-Schwergewichte, die an der Produktion beteiligt sind (Sam Mendes als Regisseur; der neue Star am Kameramann-Himmel Hoyte van Hoytema usw.). Die Vorzeichen standen gut!
Der Funke sprang bei diesem Film einfach nicht auf mich über. Man fragt sich während des Schauens diverse Dinge: Wo sind die geschätzten 300Mio$ Budget zu sehen? Warum wurde Christoph Waltz so verschenkt? Wo ist das Gefühl, dass es hier um etwas geht?
Ist das ein Agentenfilm?
Im Film soll durch eine neue übergeordnete Sicherheitsagentur das 00-Programm eingestellt werden, mit der Begründung „prähistorisch“.
So kommen mir auch manche Dinge an den Film vor.
Zwar startet er stark (eine längere One-Shot Sequenz in Mexico-City, perfekt untermalt mit gutem Score und tolle Kameraarbeit), fällt dann aber genauso stark ab.
Die sich danach entfaltende Suche nach dem Verantwortlichen der Organisation SPECTRE schickt Bond wie gewohnt um die Welt, wo er sein Bondgirl kennenlernt und alles dann in einem aufeinandertreffen Bond-Waltz gipfelt; bis es in London zum Showdown kommt.

1. Ist das ein Agentenfilm?

Bond zeigt gewohnt körperlichen Einsatz in Kämpfen und mit allem, was einen Motor hat. Doch darüber hinaus muss er nichts unternehmen, was man als Tätigkeit als Spion definieren würde!
Als Gadgets gibt es ein Auto und eine Uhr, weit entfernt von den früheren Hightechspielereien der Vorgänger; oder auch der o.g. anderen Agentenfilme dieses Jahr.
Bond scheint den Ereignisse immer hinter zu laufen; er trifft fragwürdig ineffiziente Entscheidungen (Stichwort Flugzeug vs. Waldweg). Nichts bleibt wirklich hängen.
Rohe Gewalt und seine Kollegen halten die Story am weiter entwicklen.


2. Wo ist die Bedrohung?

Das aus dem Trailer bekannte Meeting (mit Christoph Waltz im Schatten) führt ihn eigentlich ganz anständig ein. Aber in allen weiteren Zusammentreffen sind es eher schleppende Monologe, in einem Schlüsselmoment lässt er sich aufs einfachste austricksen; am Ende wird er auf sehr unrealistische Weise an der Fucht gehindert.
Sein wichtigster Auftragskiller (gespielt von Dave Bautista) wird mit der Holzhammer-Methode eingeführt, redet kein Wort (bis auf eines) und wirkt nie wie eine echte Bedrohung.


3. Es wirkt zu routiniert.

Bond hat sich nie durch ausfallende Mimik/Gestik bekannt gemacht, aber die Art und Weise, wie Bond nach einer halsbrecherischen Hubschrauberszene völlig distanziert und vollkommen ruhig zum Tagesgeschäft übergeht, raubt einem enorm das „Mitfiebern“-Gefühl.
Monica Belucci wird in der ersten halben Stunde als Trophäe von Bond noch mitgenommen.
Die Krone setzt dem ganzen aber die Beziehung vom Bondgirl zu Bond auf -
von „wage es nicht mich anzufassen“ bishin zu „ich liebe dich“ und einer sehr Bettszene, die scheinbar nur aufgrund „das war schon immer so“ im Film sein musste fehlte hier völlig die Emotion. Die Chemie passte einfach nicht.
Gut wäre gewesen, diesmal auf ein Techtelmechtel zu verzichten; (das es funktioniert, zeigt zB Mission Impossible), und eher die Story besser voran zu treibe


4. Technisches

Das Bild ist gewaltig, glasklar (vor allem wenn in 4K 
projeziert wird),  der Ton sauber und wuchtig – soweit, so gut.

Allerdings fehlt es dem Film an Schnitt und Pacing – er wirkt tlw. Langgezogen bis hin zu langweilig. Wenn in Dialogen die Kamera stillsteht und nur der Schauspieler zu sehen ist, muss es auch ein 1A-Schauspieler sein, sonst ertappt man sich, die Umgebung im Bild zu analysieren (ah! Schickes Bild an der Wand). 
Die Actionszenen sind geradezu Beiwerk, die Verfolgungsjagd lässt jedes Gefühl von Tempo, Gefahr und Bedrohung vermissen (vgl. wieder Rogue Nation).
Schade, schade – der Film hätte Kracher-Potential gehabt, und so leid es mir tut, würde ich fast sagen, es reicht, ihn sich auf DVD/BD anzuschauen.

Was sagt ihr zudem Film?