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Bewertung: 7 / 10

"Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem  Bürgerkrieg: Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch die Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: der Ex-Soldat und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger tätige Marquis Warren (Samuel L. Jackson) sowie Chris Mannix (Walton Goggins), der angibt, der neue Sheriff von Red Rock zu sein. Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind sie jedoch dazu gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort verstecken sich bereits der Mexikaner Bob (Demian Bichir), der undurchsichtige Oswaldo Mobray (Tim Roth), der Cowboy Joe Gage (Michael Madsen) und der in die Jahre gekommene Südstaaten-General Sanford Smithers (Bruce Dern) vor dem Wetter. Schnell nehmen die Spannungen in der Gruppe von misstrauischen Raubeinen zu, nachdem man sich anfangs noch bestens unterhalten hat. Und bald wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird."



Wie fühlt sich der Film an?
Zu lang. Tarantino hat es bisher immer geschafft, den Anfang seiner Filme zu diversifizieren; mehrere Handlungsstränge einzuführen und so die Grundlage für die weiteren Ereignisse zu schaffen.
In "Hateful 8" dauert genau diese Exposition über alle Maßen lang; als hätte der Film ein paar Pfund zu viel an dieser Stelle. Selbst die große Stärke von Tarantino; Dialoge im Mittelpunkt zu stellen und spannend zu halten; kommt hier nicht zum Tragen.


Der viel bemühte Vergleich eines "Kammerspiels" passt zwar genau (sehr begrenzte Sets und Anzahl Darsteller); für diese Art der Inszenierung ist die erste Hälfte des Films aber einfach zu langwierig. Der Regisseur hat uns schon oft bewiesen, dass er die Charaktere durch deren Dialoge mehr ausleuchten kann, als andere Filmschaffende.
Doch hier hätten ohne weiteres 30-45 Minuten gekürzt werden können; ohne das wir weniger Eindrücke von den Rollen bekommen hätten.

Wenn dann der Cast sich in der Holzhütte versammelt hat, beginnt ganz gemächlich die typische Wer-spielt-hier-ein-falsches-Spiel - Dramatik. Tarantino gab auch zu, dass seine Inspiration für den Film "Das Ding aus einer anderen Welt" und "Reservoir Dogs" waren. 

Der Funke will einfach nicht so richtig überspringen. 
Es ist zwar ein guter Film - das Handwerk wird sehr hochwertig rüber gebracht: Kameraarbeit, Humor, Schnitte und zum Teil auch der Soundtrack sind passend. 
Die Schauspieler liefern hervorragend ab - insbesondere Samuel L. Jackson! 

Der Story nimmt jedoch erst zu spät richtig Fahrt auf (das letzte Drittel ist das Sehenswerteste) - der Film plätschert am Anfang zu sehr daher; dies tut dem Film nicht gut.

Als Fazit: Tarantinofans und Komplettierungs-Fans werden und sollen den Film sehen - für ein zweites Mal schauen reicht die Faszination hier jedoch nicht aus. 


Wie schafft das der Film?

Er bildet die Westernszenerie gut ab - auch wenn der Großteil des Films in kleinen Setpieces stattfindet; ist der Western-Winter gut eingefangen - wenn auch meilenweit von einem "Revenant" entfernt.

Die Schauspieler holen hier die Kohlen aus dem Feuer - insbesondere Tim Roth und Sam Jackson ist es eine Freude, zuzusehen.

Lasst euch auf diesen Film ein - und Ihr erhaltet einen teils ausufernden, aber dialogstarken Film mit Längen; der zum Ende hin jedoch versucht zu entschädigen.



Was sagt ihr zu dem Film?
Bewertung: 6.5 / 10


"In den 1820ern zieht der legendäre Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) durch die Weiten der USA, wo er mit einer von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Expedition dabei ist, den Missouri River zu erforschen. Am Fluss hat er einen unachtsamen Moment – den ein Grizzly ausnutzt, ihn übel zuzurichten. Glass schwebt in Lebensgefahr. Seine Begleiter, unter ihnen der raubeinige John Fitzgerald (Tom Hardy) und der junge Jim Bridger (Will Poulter), glauben nicht, dass er den Vorfall überleben wird und als sie dann Ureinwohner in der Nähe ihres Lagers erspähen, fackeln sie nicht lange. Sie nehmen dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und seine weitere Ausrüstung ab und überlassen ihn sich selbst. Aber überraschend überlebt Glass doch – und schwört allen Begleitern Rache, die ihn zurückgelassen haben. Auf der Suche nach ihnen schleppt sich der verletzte Abenteurer durch die eisige Bergwelt… "



Wie fühlt sich der Film an?
Das Filmerlebnis, trotz perfekter Technik, wird getrübt durch die bekannte Produktionsgeschichte und der vielen sehr (zu) bekannten Mitwirkenden. Das beste Erlebnis hat man wahrscheinlich nur dann, wenn man möglichst wenig davon kennt.

Im Gedächtnis bleibt die Anfangssequenz (Ree Attack), welche in ihrem Erlebnis dem von "Private Ryan" fast in nichts nachsteht (wohlgemerkt im Verhältnis zum jeweiligen Setting).


Bereits im Vorfeld wurden die Berichterstattung über die Belastungen, durch die Hauptdarsteller DiCaprio gehen musste (eisige Kälte, echte,rohe Leber essen) sehr groß.

Auch der Regisseur (Inarritu; "Birdman") hat durch sein Oscargewinn viel Vorschusslorbeeren erhalten; genauso wie der Kameramann (Emmanuel Lubezki). Dieser hatte bereits angekündigt, nur mit natürlichem Licht zu drehen (was den Aufwand immens erhöht) und eine neue Kamera (Arri Alexa 65) für beste Bildqualität nutzen zu wollen.
Bekannt ist Lubezki für seine Vorliebe für Long-Shots, lange Kamerafahrten ohne Schnitt. 
Neben DiCaprio spielen Tom Hardy (Dark Knight Rises; Legend; Mad Max) und Domhnall Gleeson (Ex Machina, Star Wars 7) in größeren Rollen. 

Ich hatte während des Schauens seit langem (leider) stetig das Gefühl, dass ich einen Film schaue. 

Wann immer DiCaprio schmerzgeplagt durch den Schnee robbt; angegriffen wird, verletzt wird, schwer atmet, die Leber dann isst..musste ich daran denken; wie SEHR er den Oscar endlich will, und wie SEHR diese Geschichten bereits vorab gehuldigt wurden. Auch die letzte Einstellung von DiCaprio wertet den Film nachträglich ab. ("Gebt mir meinen Oscar!")

Nach der 5. langen Kamerafahrt (technisch über jeden Zweifel erhaben!) komme ich nicht umhin, an den Kameramann mit seinem Steadycam - Equipment an dem Set zu denken. 


Der Regisseur zeigt uns in Flashbacks Szenen von DiCaprio's Frau und dies auf teilweise abstrakte Art und Weise - was einen auch wieder aus dem Film holt, da ich mir vorstellte, wie der Regisseur sich selbst zwanghaft übertreffen will - und seit Kubrick wissen wir, dass dies durch Unerwartetes; nahezu Paranormales; gut funktionieren kann.


Viel zu oft habe ich die Schauspieler als die Schauspieler; und nicht als die Rolle wahrgenommen. Bei Gleeson's Rolle tatsächlich habe ich an Hux aus Star Wars 7 gedacht. Es spielt Wil Poulter mit, der Junge aus "Wir sind die Millers" - es kommen unweigerlich die prägnante Szenen aus diesem Film wieder hoch.

Die beste Rolle spielt tatsächlich Tom Hardy; welcher in meinen Augen von der Academy geehrt werden sollte.

Zusammengefasst: wer dem Vorab-Berichterstattungshype entgehen konnte; und dessen Cineastensinne angesprochen werden wollen (superbe Bilder!), und nicht abgeschreckt ist von sehr grafischer Gewalt und Leid - der erhält ein beeindruckendes Kinoerlebnis mit Schwächen in Pacing und Story.


Wie schafft das der Film?

Er liefert. Er liefert geniale Szenerien.
Bereits die erste Einstellung (dem Folgen eines Bachlaufs) und die anschliessende erste Kampfszene zwischen Trappern und Indianers lässt einen Staunen.
Untermalt mit stoischen Trommeln in regelmäßigen Abständen und als sehr lange Kamerafahrten umgesetzt, lässt den Zuschauer zunächst vergessen, dass er im Kino sitzt. Man ist mittendrin.
Die Situation ist bedrohlich, und für weitere 30 Minuten werden alle wichtigen Charaktere, deren Motive und Eigenschaften ganz klassisch durch ihre Handlungen für den Zuschauer definiert.

Die im Trailer und auch sonst Bekanntheit erlangte Szene, in der DiCaprio durch den Bären angegriffen wird ist auf der Leinwand stark anzusehen; markiert aber gleichzeitig die Stelle, in der der Film abbaut. 


Die Bilder sind weiter nahezu perfekt; der Inhalt sie jedoch nicht ausfüllen. Immer mehr und größere Schwierigkeiten kommen auf DiCaprio zu. Er quält sich, bekommt kaum Luft, seine Körper ist geschunden. Es setzt jedoch allzu schnell ein Abnutzungseffekt ein und man wird wieder daran erinnert, dass man einen Film sieht. 


Weder die Rückblicke an seine fiktive Familie und deren Verlust, noch scheinbar niedere Motive eines seiner Begleiter (Hardy) können uns mit ihm fühlen lassen. Man ist eher fasziniert von der harrschen Darstellung dieser Realität und nimmt Nebenstories mit Indianers, Franzosen und am Ende die Rache zwar mit, ohne emotional wirklich darin investiert zu sein. 


Schaut ihn euch wegen der Schauwerte an und erlebt großartige Performance von Tom Hardy, und natürlich auch DiCaprio - dafür wurde Kino gemacht.

Ein zweites Mal sehen, dieser Drang hat sich bei mir jedoch nicht eingestellt.


Was sagt ihr zu dem Film?