Sicario | StudioCanal | 01.10.2015 | FSK16

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Bewertung: 9 / 10


"Die Grenze zwischen Mexiko und dem US-amerikanischen Bundesstaat Arizona ist schon seit Jahren vom Drogenkrieg geprägt. Die junge FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) schließt sich einer internationalen Einsatztruppe an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem lokalen Drogenhandel endlich Einhalt zu gebieten. Doch schon ihr erster Einsatz in dem gefährlichen Grenzgebiet läuft völlig aus dem Ruder, als die Überführung eines Gefangenen in einem brutalen Hinterhalt endet. Mit der Hilfe des ebenso geheimnisvollen wie erbarmungslosen Söldners Alejandro (Benicio Del Toro) kommt Kate aber mit dem Leben davon. Bei der nächsten Operation trifft sie wenig später erneut auf Alejandro und seine Spezialeinheit, die jedoch, wie ihr bald klar wird, ganz eigene Ziele zu verfolgen scheinen. So dauert es nicht lang, bis die Grenzen zwischen Freund und Feind verwischen und Kate sich mehr und mehr fragt, wem sie eigentlich noch vertrauen kann."




Wie fühlt sich der Film an?
Sicario ist ein sehr beeindruckender Film. Er bietet Unterhaltung nicht im klassischen Sinne. Es ist kein Freitag/Samstag - Abend Film, wenn man danach noch weggehen will. Auf diesen Film sollte man sich einlassen, analog zu Filmen wie Private Ryan, Goodfellas, No Country for Old Men (der dem Film stilistisch sehr ähnlich ist).

Der Film löst dieses Gefühl der Spannung, des Gebanntseins, des Luftanhaltens aus- er zieht den Zuschauer in seinen Bann. Man hält sich an der Armlehne fest und wird vollständig in die Szenerie gezogen. 
Das Thema ist ernst (Drogen/Kartelle/Drogenkrieg), wird aber innerhalb eines sehr kleinen Rahmens gezeigt - was für die Spannungskurve extrem dienlich ist. 
Eine oscarwürdige, ganz eigene fantastische Kameraarbeit und ein drückender Score und gute Schauspielerleistungen komplettieren das Gesamterlebnis.

Wie schafft das der Film?
Lässt man sich auf den Film ein, begleitet man Emily Blunt's Charakter Kate, wie sie im Grenzgebiet zu Mexiko mit ihrer Einheit den Kampf gegen die Windmühlen bestreitet - sie stürmt Verstecke der Kartelle und findet dabei selten Drogen, aber fast immer die Kosten dieses Geschäfts: verweste, übel zugerichtete und in Zwischenwänden versteckte Leichen, Blut, Grausamkeit.
Es wird schnell deutlich, dass ihre Arbeit nahezu sinnlos ist; zu groß ist dieses Milieu, und die echten Bosse sitzen in Mexiko. 

Ihre Reputation führt dazu, dass das eine über die grenzen hinweg operierende Spezialeinheit des FBI, unter der Leitung von Matt Graver (Josh Brolin), sie rekrutiert, um "einen echten Schlag gegen die Kartelle" zu landen. 
Brolin spielt hier den durch seine Einsätze abgestumpften, harten Boss (fast ein Art "Max Payne"), dessen Handlungen für Kate eigentlich nie nachvollziehbar ist. Dazu kommt ein in Bestform spielender Benicio del Toro (Alejandro), dessen Motive nicht minder nebulös ist.
Kate dient hier als Katalysator für den Zuschauer, denn mehr als sie wissen wir auch nicht.

Es ist also alles vorbereitet, und ab hier beginnen die technischen Aspekte so richtig, die Immersion perfekt zu machen. 
Als erstes die Kameraarbeit: Roger Deakins (Skyfall, No Country for old Men) beschert der Filmwelt hier derartig großartige Szenerien, die sich nicht oder nur knapp hinter dem "Revenant" verstecken müssen. 
Eine enorme Ruhe in den Bildern, immer wieder abgewechselt durch beeindruckende Luftaufnahmen und nach unten gehenden Kamerafahrten - allein das hätte gereicht.

In den 3 Schlüsselstellen des Films, welche zu den spannendsten Szenen des Kinojahr 2015 zählen, läuft er zur Höchstform auf. Etwa bei einer Grenzüberquerung der Spezialeinheit, bei der in jedem anderen Auto eine Gefahr lauern kann: 
die Kamera zeigt uns das Blickfeld der Protagonisten, ohne hektisch zu werden, beklemmend, detailliert und detailreich. Oder sei es eine Stürmung eines Schmugglertunnels bei Nacht, bei der der Wechsel zwischen Nachtsicht oder auch wieder Gesamtsszenerie so butterweich gelingt, dass man nicht umhin kommt, sich staunend hineinziehen zu lassen.



Als wäre dies nicht genug, begleitet uns der Soundtrack von Johann Johannsson mit einem ansteigenden Wummern, mit starken, bedrückenden Melodien; aber dennoch mit einer inhärenten Ruhe - am ehesten sogar vergleichbar mit dem Score von "Alien"; um dann mechanischer zu werden, und wie bei Terminator 2 ein wiederholendes Thema von unaufhaltbarer Gefahr einzubringen (T-1000 Theme). 

Cineasten-Sinne werden also vollständig angesprochen und das nutzt der Film, die Geschichte weiter zu bringen. Bis zum Ende ist speziell Alejandro ein großes Fragezeichen, die Motive der handelnden Personen sind nicht so linear wie man es vermuten würde. 

Das Ende regt zum Nachdenken an und lässt den Film noch einmal durchspielen - wer steht hier für was; man hinterfragt die gesamte Situation und Handlungen. 
Da dies sehr nah in der Realität angesiedelt ist, kommt man nicht umhin, an die Methoden und Sinnhaftigkeit des Drogenkriegs zu denken und seine Schlüsse zu ziehen.
Insbesondere die letzte Szene und das Beginnen des Abspanns führt dazu, dass dieser Film im Gedächtnis bleibt. 

Hervorragend geschauspielert und technisch meisterhaft - eine klare Empfehlung, wenn man sich darauf einlässt.

Was sagt ihr zu dem Film?

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Filmbegeistert seit 1984. Von Trailern, über Trivia, zu Making ofs und dem eigentlichen Film - ich lebe für gute Filme und geniesse sie! Und auch Guilty Pleasures dürfen (und müssen) sein..

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