James Bond 007 - Spectre | Sony | 05.11.2015 | FSK12

by 05:47:00 0 Kommentare

Bewertung: 6/10





Wir sind in im Kinojahr 2015 gut versorgt mit Agentenfilmen. 

Den Anfang machte der fulminante „Kingsman“; der mit seinem Ansatz frischen Wind ins Genre brachte. Er nahm sich dabei nicht zu ernst – lieferte aber alles, was die Welt der Spione in meinen Augen ausmacht: Gadgets, Verschwörung, hervorragend choreografierte Kampfsequenzen, ein durchgehend hohes Tempo.
Es folgte der neueste Mission Impossible (Rogue Nation); welcher uns in hoher Qualität mit den für die Serie bekannten Elementen versorgte: High-Tech-Ausstattung und Einbruchsequenz, Locations rund um die Welt, Verfolgungsjagden, Held und Bösewicht mit einer echten Ausstrahlung einer Intelligenz und der Fähigkeit, ein paar Schritte voraus zu planen - alles edel und in bestem Tempo verpackt.
Und dann kommt Spectre. 
Im Kielwasser von Skyfall, grandiosem Marketing (eine größere Bedrohung als je zuvor kommt auf Bond und den MI6 zu), sowie gutes Casting (Christoph Waltz) und Hollywood-Schwergewichte, die an der Produktion beteiligt sind (Sam Mendes als Regisseur; der neue Star am Kameramann-Himmel Hoyte van Hoytema usw.). Die Vorzeichen standen gut!
Der Funke sprang bei diesem Film einfach nicht auf mich über. Man fragt sich während des Schauens diverse Dinge: Wo sind die geschätzten 300Mio$ Budget zu sehen? Warum wurde Christoph Waltz so verschenkt? Wo ist das Gefühl, dass es hier um etwas geht?
Ist das ein Agentenfilm?
Im Film soll durch eine neue übergeordnete Sicherheitsagentur das 00-Programm eingestellt werden, mit der Begründung „prähistorisch“.
So kommen mir auch manche Dinge an den Film vor.
Zwar startet er stark (eine längere One-Shot Sequenz in Mexico-City, perfekt untermalt mit gutem Score und tolle Kameraarbeit), fällt dann aber genauso stark ab.
Die sich danach entfaltende Suche nach dem Verantwortlichen der Organisation SPECTRE schickt Bond wie gewohnt um die Welt, wo er sein Bondgirl kennenlernt und alles dann in einem aufeinandertreffen Bond-Waltz gipfelt; bis es in London zum Showdown kommt.

1. Ist das ein Agentenfilm?

Bond zeigt gewohnt körperlichen Einsatz in Kämpfen und mit allem, was einen Motor hat. Doch darüber hinaus muss er nichts unternehmen, was man als Tätigkeit als Spion definieren würde!
Als Gadgets gibt es ein Auto und eine Uhr, weit entfernt von den früheren Hightechspielereien der Vorgänger; oder auch der o.g. anderen Agentenfilme dieses Jahr.
Bond scheint den Ereignisse immer hinter zu laufen; er trifft fragwürdig ineffiziente Entscheidungen (Stichwort Flugzeug vs. Waldweg). Nichts bleibt wirklich hängen.
Rohe Gewalt und seine Kollegen halten die Story am weiter entwicklen.


2. Wo ist die Bedrohung?

Das aus dem Trailer bekannte Meeting (mit Christoph Waltz im Schatten) führt ihn eigentlich ganz anständig ein. Aber in allen weiteren Zusammentreffen sind es eher schleppende Monologe, in einem Schlüsselmoment lässt er sich aufs einfachste austricksen; am Ende wird er auf sehr unrealistische Weise an der Fucht gehindert.
Sein wichtigster Auftragskiller (gespielt von Dave Bautista) wird mit der Holzhammer-Methode eingeführt, redet kein Wort (bis auf eines) und wirkt nie wie eine echte Bedrohung.


3. Es wirkt zu routiniert.

Bond hat sich nie durch ausfallende Mimik/Gestik bekannt gemacht, aber die Art und Weise, wie Bond nach einer halsbrecherischen Hubschrauberszene völlig distanziert und vollkommen ruhig zum Tagesgeschäft übergeht, raubt einem enorm das „Mitfiebern“-Gefühl.
Monica Belucci wird in der ersten halben Stunde als Trophäe von Bond noch mitgenommen.
Die Krone setzt dem ganzen aber die Beziehung vom Bondgirl zu Bond auf -
von „wage es nicht mich anzufassen“ bishin zu „ich liebe dich“ und einer sehr Bettszene, die scheinbar nur aufgrund „das war schon immer so“ im Film sein musste fehlte hier völlig die Emotion. Die Chemie passte einfach nicht.
Gut wäre gewesen, diesmal auf ein Techtelmechtel zu verzichten; (das es funktioniert, zeigt zB Mission Impossible), und eher die Story besser voran zu treibe


4. Technisches

Das Bild ist gewaltig, glasklar (vor allem wenn in 4K 
projeziert wird),  der Ton sauber und wuchtig – soweit, so gut.

Allerdings fehlt es dem Film an Schnitt und Pacing – er wirkt tlw. Langgezogen bis hin zu langweilig. Wenn in Dialogen die Kamera stillsteht und nur der Schauspieler zu sehen ist, muss es auch ein 1A-Schauspieler sein, sonst ertappt man sich, die Umgebung im Bild zu analysieren (ah! Schickes Bild an der Wand). 
Die Actionszenen sind geradezu Beiwerk, die Verfolgungsjagd lässt jedes Gefühl von Tempo, Gefahr und Bedrohung vermissen (vgl. wieder Rogue Nation).
Schade, schade – der Film hätte Kracher-Potential gehabt, und so leid es mir tut, würde ich fast sagen, es reicht, ihn sich auf DVD/BD anzuschauen.

Was sagt ihr zudem Film?

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Filmbegeistert seit 1984. Von Trailern, über Trivia, zu Making ofs und dem eigentlichen Film - ich lebe für gute Filme und geniesse sie! Und auch Guilty Pleasures dürfen (und müssen) sein..

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