by
10:35:00
0
Kommentare
DiCaprio
Gleeson
Hardy
Indianer
Kritik
Lubezki
Revenant
Review
Spannend
Western
Wildnis
Bewertung: 6.5 / 10
Das Filmerlebnis, trotz perfekter Technik, wird getrübt durch die bekannte Produktionsgeschichte und der vielen sehr (zu) bekannten Mitwirkenden. Das beste Erlebnis hat man wahrscheinlich nur dann, wenn man möglichst wenig davon kennt.
Im Gedächtnis bleibt die Anfangssequenz (Ree Attack), welche in ihrem Erlebnis dem von "Private Ryan" fast in nichts nachsteht (wohlgemerkt im Verhältnis zum jeweiligen Setting).
Bereits im Vorfeld wurden die Berichterstattung über die Belastungen, durch die Hauptdarsteller DiCaprio gehen musste (eisige Kälte, echte,rohe Leber essen) sehr groß.
Auch der Regisseur (Inarritu; "Birdman") hat durch sein Oscargewinn viel Vorschusslorbeeren erhalten; genauso wie der Kameramann (Emmanuel Lubezki). Dieser hatte bereits angekündigt, nur mit natürlichem Licht zu drehen (was den Aufwand immens erhöht) und eine neue Kamera (Arri Alexa 65) für beste Bildqualität nutzen zu wollen.
Bekannt ist Lubezki für seine Vorliebe für Long-Shots, lange Kamerafahrten ohne Schnitt.
Neben DiCaprio spielen Tom Hardy (Dark Knight Rises; Legend; Mad Max) und Domhnall Gleeson (Ex Machina, Star Wars 7) in größeren Rollen.
Ich hatte während des Schauens seit langem (leider) stetig das Gefühl, dass ich einen Film schaue.
Wann immer DiCaprio schmerzgeplagt durch den Schnee robbt; angegriffen wird, verletzt wird, schwer atmet, die Leber dann isst..musste ich daran denken; wie SEHR er den Oscar endlich will, und wie SEHR diese Geschichten bereits vorab gehuldigt wurden. Auch die letzte Einstellung von DiCaprio wertet den Film nachträglich ab. ("Gebt mir meinen Oscar!")
Nach der 5. langen Kamerafahrt (technisch über jeden Zweifel erhaben!) komme ich nicht umhin, an den Kameramann mit seinem Steadycam - Equipment an dem Set zu denken.
Der Regisseur zeigt uns in Flashbacks Szenen von DiCaprio's Frau und dies auf teilweise abstrakte Art und Weise - was einen auch wieder aus dem Film holt, da ich mir vorstellte, wie der Regisseur sich selbst zwanghaft übertreffen will - und seit Kubrick wissen wir, dass dies durch Unerwartetes; nahezu Paranormales; gut funktionieren kann.
Viel zu oft habe ich die Schauspieler als die Schauspieler; und nicht als die Rolle wahrgenommen. Bei Gleeson's Rolle tatsächlich habe ich an Hux aus Star Wars 7 gedacht. Es spielt Wil Poulter mit, der Junge aus "Wir sind die Millers" - es kommen unweigerlich die prägnante Szenen aus diesem Film wieder hoch.
Die beste Rolle spielt tatsächlich Tom Hardy; welcher in meinen Augen von der Academy geehrt werden sollte.
Zusammengefasst: wer dem Vorab-Berichterstattungshype entgehen konnte; und dessen Cineastensinne angesprochen werden wollen (superbe Bilder!), und nicht abgeschreckt ist von sehr grafischer Gewalt und Leid - der erhält ein beeindruckendes Kinoerlebnis mit Schwächen in Pacing und Story.
Wie schafft das der Film?
Er liefert. Er liefert geniale Szenerien.
Bereits die erste Einstellung (dem Folgen eines Bachlaufs) und die anschliessende erste Kampfszene zwischen Trappern und Indianers lässt einen Staunen.
Untermalt mit stoischen Trommeln in regelmäßigen Abständen und als sehr lange Kamerafahrten umgesetzt, lässt den Zuschauer zunächst vergessen, dass er im Kino sitzt. Man ist mittendrin.
Die Situation ist bedrohlich, und für weitere 30 Minuten werden alle wichtigen Charaktere, deren Motive und Eigenschaften ganz klassisch durch ihre Handlungen für den Zuschauer definiert.
Die im Trailer und auch sonst Bekanntheit erlangte Szene, in der DiCaprio durch den Bären angegriffen wird ist auf der Leinwand stark anzusehen; markiert aber gleichzeitig die Stelle, in der der Film abbaut.
Die Bilder sind weiter nahezu perfekt; der Inhalt sie jedoch nicht ausfüllen. Immer mehr und größere Schwierigkeiten kommen auf DiCaprio zu. Er quält sich, bekommt kaum Luft, seine Körper ist geschunden. Es setzt jedoch allzu schnell ein Abnutzungseffekt ein und man wird wieder daran erinnert, dass man einen Film sieht.
Weder die Rückblicke an seine fiktive Familie und deren Verlust, noch scheinbar niedere Motive eines seiner Begleiter (Hardy) können uns mit ihm fühlen lassen. Man ist eher fasziniert von der harrschen Darstellung dieser Realität und nimmt Nebenstories mit Indianers, Franzosen und am Ende die Rache zwar mit, ohne emotional wirklich darin investiert zu sein.
Schaut ihn euch wegen der Schauwerte an und erlebt großartige Performance von Tom Hardy, und natürlich auch DiCaprio - dafür wurde Kino gemacht.
Ein zweites Mal sehen, dieser Drang hat sich bei mir jedoch nicht eingestellt.
Was sagt ihr zu dem Film?


0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen